Artikel in der Freien Presse vom 19. Januar 2010:


Mühlauer kleiden Kaliningrader Orgel ein

Tischlerei Kamprad fertigt aus sieben Tonnen Kiefernholz zehn Meter hohes Gehäuse. Sogar in Mexiko ist das Handwerk gefragt


- von Katrin Knappe - Mühlau. Dass Russlands größte Orgel im restaurierten Dom von Kaliningrad , dem früheren Königsberg , wieder erklingt, ist auch einer Mühlauer Firma zu verdanken. Die Tischlerei Kamprad hat das Gehäuse für die Hauptorgel mit ihren insgesamt 6269 Pfeifen angefertigt. Rund ein halbes Jahr arbeiteten sechs Tischler in der Mühlauer Werkstatt im Gewerbegebiet an der Verkleidung. Die passgenau angefertigten Einzelteile schafften sie dann mit Lastern und Containern in die russische Enklave. Insgesamt gingen so sieben Tonnen massives Kiefernholz vom Stamm auf die Reise. Bis schließlich alle Teile im Dom verbunden und verschraubt waren, vergingen noch einmal vier Wochen. Der Bau war sehr aufwändig, aber zum Schluss hat alles gepasst, sagt Inhaber Frieder Kamprad zufrieden. Zwar legen seine Mitarbeiter auch bei kleinen Möbelstücken für Mühlauer Hausbesitzer großen Wert auf Genauigkeit. Dennoch war die Arbeit am Orgelgehäuse anders. Das ist schon eine Dimension größer, so Kamprad. Im Falle von Kaliningrad reichte das Gehäuse der Hauptorgel zehn Meter in die Höhe. Am Ende musste alles genau passen, weil auch andere Gewerke wie Holzschnitzer und Pfeifenbauer zulieferten, erklät Kamprad. Genaue Baupläne hatten die Handwerker allerdings nicht. Den Tischlern standen nur ein Original-Foto des Instruments und Zeichnungen zur Verfügung. Die ursprüngliche Orgel war während des Zweiten Weltkriegs zerstört worden. Erster Auftrag in Mühlau Auf den Bau von Orgelgehäusen hatte sich das Unternehmen schon 1989 spezialisiert. Damals restaurierte der Potsdamer Orgelbauer Schuke das Instrument in der Mühlauer Kirche. Die Tischlerei baute das Gehäuse. Die Zusammenarbeit besteht bis heute, so Kamprad. Von dem Orgelbauer aus Potsdam erhielten die Mühlauer auch den Zuschlag für den Bau eines Gehäuses in der Philharmonie im polnischen Lublin oder in der katholische Kirche St. Johannes in Wingerode im Eichsfeld. Vorerst letzter großer gemeinsamer Auftrag neben dem Bau des Kaliningrader Instruments: der Neubau einer Orgel im mexikanischen Zamora. Das Gehäuse dort war sogar 22 Meter hoch - bisher Rekord für den Mühlauer Familienbetrieb, den Frieder Kamprad bereits in dritter Generation führt. Sein Großvater Max Spreer gründete das Unternehmen 1928 als Bauund Möbeltischlerei. 2000 zog der Betrieb mit sechs Mitarbeitern und einem Lehrling aus Platzmangel vom Ort ins Gewerbegebiet. Im Jahr 2007 entstand dort eine neue Lagerhalle. Stadt grau, Menschen freundlich Während der vier Wochen in Kaliningrad hat Frieder Kamprad vor allem die Menschen der Stadt zu schätzen gelernt. - Wir wurden sehr freundlich empfangen. Mit der Organistin aus Kaliningrad hat der Tischler noch immer Kontakt. Ein bisschen Russisch kann ich auch noch, so Kamprad. Weniger begeistert war der Tischlermeister von der Stadt: - Um dem Dom entstehen zwar wieder ansehnliche Häuser, sonst dominieren Neubaublöcke. Ziemlich grau- , so der Tischlermeister. (Foto links: Andreas Truxa)